Viele verbinden Photovoltaik mit Hochsommer: lange Tage, viel Sonne, hohe Erträge. Der Winter gilt dagegen oft als „schlechte Zeit“ für PV. Kurze Tage, Wolken, vielleicht Schnee – da stellt sich schnell die Frage, ob sich eine Anlage dann überhaupt rechnet.
Die ehrliche Antwort lautet:
Ja, eine PV-Anlage lohnt sich auch im Winter – aber aus anderen Gründen als im Sommer.
Wer versteht, was Photovoltaik in der dunklen Jahreszeit leisten kann (und was nicht), kann realistische Erwartungen haben und den Winterertrag sinnvoll nutzen.

Photovoltaikmodule erzeugen Strom aus Licht, nicht aus Wärme. Kälte ist für die Module kein Problem – im Gegenteil. Der entscheidende Unterschied zwischen Sommer und Winter ist die verfügbare Solarstrahlung:
Der Deutscher Wetterdienst zeigt das deutlich in seinen Auswertungen zur Globalstrahlung: In den Wintermonaten liegt die verfügbare Sonnenenergie nur bei einem Bruchteil der Sommerwerte. Wer im Dezember den gleichen Ertrag erwartet wie im Juli, wird zwangsläufig enttäuscht.
Wer dagegen akzeptiert, dass der Winter weniger liefert, kann diesen Ertrag gezielt und sinnvoll einsetzen.
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: „Bei Kälte arbeitet eine PV-Anlage schlechter.“ Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Gängige Siliziummodule haben einen negativen Temperaturkoeffizienten. Das heißt: Sinkt die Modultemperatur, steigt die elektrische Leistung leicht an.
In der Praxis bedeutet das:
Diese Effizienzgewinne gleichen den geringeren Lichteinfall nicht vollständig aus. Sie erklären aber, warum PV-Anlagen im Winter oft besser performen, als viele erwarten.
„Wenn es bewölkt ist, bringt PV doch nichts“ – diese Aussage stimmt so nicht. Zwar fehlt bei Wolken die direkte Sonneneinstrahlung, es bleibt aber diffuses Licht, das von den Modulen weiterhin genutzt wird.
Wie sich das übers Jahr auswirkt, zeigen Auswertungen wie etwa PVGIS. Dort wird klar: Die Erträge sinken im Winter, brechen aber nicht auf null ein. PV produziert auch dann Strom, wenn der Himmel grau ist – nur eben weniger.
Schnee auf Modulen wirkt dramatisch, ist in der Praxis aber oft weniger relevant als vermutet:
Laut Langzeitmessungen des Fraunhofer ISE liegen die jährlichen Ertragsverluste durch Schnee in den meisten Regionen Deutschlands bei etwa 1–5 %. Schnee kann kurzfristig Ertrag kosten, ist aber selten der Hauptgrund für niedrige Wintererträge. Entscheidend bleibt die geringere Einstrahlung.
Auch im Winter gilt: Strom aus der eigenen Anlage hat einen Wert.
Die Vergütungssätze werden transparent veröffentlicht, unter anderem durch die Bundesnetzagentur. Das heißt: Winterstrom ist nicht „wertlos“. Er spart Kosten oder bringt Einnahmen – wenn auch in kleinerem Umfang als im Sommer.
In der Heizperiode fallen viele Stromverbräuche tagsüber an:
PV kann diese Lasten punktuell, vor allem rund um die Mittagszeit, abdecken. Sie ersetzt nicht den gesamten Winterstrombedarf, senkt ihn aber spürbar. Realistisch betrachtet ist Photovoltaik im Winter kein Alleinversorger, sondern ein Kosten- und Netzlastreduzierer.
Ein paar Planungsentscheidungen machen im Winter einen echten Unterschied:
Steilere Neigung
Ein etwas steilerer Montagewinkel verbessert den Einfallswinkel der Wintersonne und begünstigt das Abrutschen von Schnee. Flache Dächer sind eher auf den Sommer optimiert.
Verschattung ernst nehmen
Durch den niedrigen Sonnenstand werfen Gebäude, Bäume oder Dachaufbauten im Winter längere Schatten. Gute Planung und saubere Stringaufteilung sind hier wichtiger als im Sommer.
Verbrauch zeitlich anpassen
Wintererträge fallen stärker in ein kurzes Zeitfenster um die Mittagsstunden. Wer Stromverbraucher – etwa Warmwasserbereitung oder Haushaltsgeräte – bewusst in diese Zeit legt, erhöht den Eigenverbrauch ohne großen Aufwand.

Photovoltaik ist im Winter keine Ertragsmaschine – und das muss sie auch nicht sein. Sie produziert weniger Strom, aber zuverlässig, nutzbar und wirtschaftlich sinnvoll. Wer realistische Erwartungen hat und seine Anlage gut plant, profitiert auch in der dunklen Jahreszeit: durch geringere Stromkosten, zusätzliche Einspeiseerträge und eine spürbare Entlastung im Alltag.
PV lohnt sich nicht nur dann, wenn die Sonne hoch steht – sondern das ganze Jahr über.